Vor gut 43 Jahren fand das legendäre Woodstock-Festival statt, an drei Tagen auf einer Farm in Bethel, im US-Bundesstaat New York. Ebenso legendär ist bis heute die Liste derer, die dort zum ersten Mal einem breiten Publikum bekannt wurden. Neben heute noch aktiven Musikern oder Bands wie Blood, Sweat & Tears, Joe Cocker oder Johnny Winter waren Legenden dabei, die heute leider nicht mehr unter uns weilen: Janis Joplin, Jimi Hendrix sowie nicht mehr existierende Bands wie Grateful Dead oder Creedence Clearwater Revival. Ein Musiker, ein Gitarrist, der ganze Generationen nach ihm beeinflusst hat, war mit seiner Band ebenfalls vertreten. Eine Gruppe, die 1969 ihr erstes Album aufgenommen hat. Die Rede ist von Santana, mit ihrem Namensgeber und Bandleader Carlos Santana. Viele kennen Santana durch Hits wie Black Magic Woman oder Samba Pa Ti, doch nur wenige wissen etwas über Menschen, den Gitarristen und Musiker Carlos Santana.
Carlos Augusto Alves Santana wurde am 20. Juli 1947 in Autlán de Navarro, Jalisco, einem Bundesstaat im Westen Mexikos, geboren. Der junge Carlos erhielt bereits früh Geigenunterricht, doch wechselte er schnell das Instrument, nachdem er im Radio Bluesmusiker wie B.B. King und John Lee Hooker mit ihrem elektrifizierten Spiel gehört hatte. Noch heute betont Santana, dass für ihn nur die elektrisch verstärkte Gitarre die Intensität bieten kann, die für sein Spiel notwendig ist. Anders als die Geige, die er vielleicht zu Unrecht als „totes Stück Holz“ bezeichnet, singt die elektrisch verstärkte Gitarre wie kein anderes Instrument. Mit ihr hat er seine Stimme gefunden, eine Stimme, die nicht aus dem Instrument, aus dem Verstärker oder diversen Effektpedalen kommt, sondern aus seiner Seele spricht. „Meine Hände sind dabei nur das Werkzeug, die meine Stimme erklingen lassen“, sagte er einmal. Dennoch setzt Santana in den letzten Jahren auch akustische Gitarren ein in seinen Songs. Und doch betont er immer wieder, dass der Sound auch aus den Fingern kommt. Daher sei es völlig unwichtig, welches Instrument er spielt oder welche Verstärkereinstellungen er verwendet. Man würde, man könne sowieso nicht wie er klingen. Aus diesen Worten spricht zugleich die Spiritualität von Santana, seine Lebensphilosophie, seine Einstellung zur Musik, die direkt aus dem Herzen kommt. Nicht nur ein Wanderer zwischen den Religionen, auch zwischen den Kulturen und der Musik. So ist es typisch für Carlos Santana, dass er sich musikalisch auf keine Nische festlegt. Schon das 1969er Debutalbum, schlicht Santana betitelt, kombiniert frech Rock, Blues, Jazz und Salsa. Er verehrt gleichermaßen Buddy Guy, Jimi Hendrix, den Kubaner Tito Puente und Jazz-Legende Miles Davis.
Der große Durchbruch gelingt der Band mit dem zweiten Album. Abraxas schlägt ein wie eine Bombe und enthält mit Fleetwood Mac‘s Black Magic Woman (im Original von seinem Vorbild Peter Green geschrieben) sowie dem Gitarrenklassiker Samba Pa Ti wahre Meilensteine der Rockgeschichte. Das Album, die Band und nicht zuletzt der Gitarrist Carlos Santana sind in aller Munde, werden mit Lob überhäuft und sodann, quasi über Nacht, zu Superstars. Mit dem dritten Album, das einfach nur die Bezeichnung III trägt, zeigt die Band noch einmal ihren bekannten Mix aus Jazz, Blues und Salsa (u.a. mit Coverversionen von Tito Puente und Jazz-Saxofonist Gene Ammons). Mit dabei war zudem erstmals der junge Neil Schon an der Gitarre, später mit Journey sehr erfolgreich.
Das Jahr 1972 brachte bei Santana die Wende. Das Album Caravanserai markierte, trotz präsenter Salsa-, Blues- und Jazz-Elemente, einen Richtungswechsel zu sphärischer, meditativer Musik. Der Jazz sollte den jungen Carlos für die nächsten Jahre nicht loslassen. Bereits das 73er-Album Welcome dokumentiert noch konsequenter die Jazz-Rock-Ära von Santana. Schon ein Jahr zuvor hatte Carlos Santana einen Jazz-Rock-Meilenstein mit dem Engländer John McLaughlin, zuvor Gitarrist bei Miles Davis und Tony Williams Lifetime, aufgenommen. Santana war zu dieser Zeit ein glühender Verehrer McLaughlins, den er als den größten Jazzgitarristen neben George Benson bezeichnet. Love Devotion Surrender, so der Titel, war wesentlich geprägt von Religiosität und Jazzmusik. McLaughlin, zu dieser Zeit ein Jünger des mittlerweile verstorbenen indischen Gurus Sri Chinmoy, der auch auf dem Album-Cover zu sehen ist, trug den Beinamen „Mahavishnu“. Auch Carlos Santana wurde durch den Kontakt mit McLaughlin ein Jünger des in den USA umstrittenen Chinmoys und erhielt den Beinamen „Devadip“, das „Lamm, Licht und Auge Gottes“, der fortan das Artwork seiner Alben zieren sollte. Und so verwundert es wenig, dass noch ein anderer Name Pate für das Album stand: John Coltrane, zu seiner Zeit selbst vom Hinduismus fasziniert und von tiefer Spiritualität geprägt, beeindruckte die beiden so nachhaltig, dass sie das Album auf der Musik des großen Jazz-Saxofonisten aufbauten.
Doch zurück zu Welcome: Nicht nur äußerlich hatte sich Carlos Santana gewandelt, er trug jetzt kurze Haare, auch seine Musiker bestanden nun aus etablierten Jazz- und Bossa-Nova-Künstlern, neben John McLaughlin waren auf dem Album Coltranes zweite Frau Alice vertreten, die auch einen Song beisteuerte (und mit der Santana 1974 das Album Illuminations aufnahm), sowie die brasilianische Sängerin Flora Plurim. Das Doppel-Live-Album Lotus dokumentiert das Schaffen der Santana-Band eindrucksvoll und gehört zu Recht zu den wichtigsten Fusion-Alben der 70er-Jahre. Das Jazz-Funk-Album Borboletta sollte den Abschluss seiner Fusion-Ära bedeuten. In den Jahren von 1976 bis 1990 kehrte Carlos Santana zurück zu seinen Latin-Wurzeln, versuchte besonders in den 80ern kommerziellen Erfolg mit Pop-Rock-orientierter Musik zu verbuchen, konnte allerdings nur mit dem 1977er-Doppel-Album Moonflower (Live/Studio) und dem Cover-Hit She's Not There von The Zombies einen weiteren Klassiker aufnehmen, sodass er sich 1992 mit dem Album Milagro abermals dem Jazz zuwandte und mittels digitaler Aufnahmetechnik Fragmente der Musik von John Coltrane und Miles Davis in seine Stücke einbinden konnte. Zuvor hatte er bereits, kommerziell wenig erfolgreich, dafür mit künstlerischem Anspruch, mit den Miles Davis-Musikern Herbie Hancock, Ron Carter, Tony Williams und Wayne Shorter das jazzbetonte Album The Swing Of Delight eingespielt.
Lange war es ruhig um den Mann, der sich, wie auch John McLaughlin, von Sri Chimnoy löste und einer christlichen Gemeinde beitrat. Er selbst hat sich in Interviews gern als wiedergeborener Christ bezeichnet. Er betrat zwar mit wechselnder Besetzung nach wie vor die Bühnen dieser Welt, doch dem jüngeren Publikum war Santana nur durch seinen Schmuse-Klassiker Samba Pa Ti ein Begriff. Das sollte sich 1999 schlagartig ändern, als auch er versuchte, wie viele ältere Künstler, seine Musik ins nächste Jahrtausend zu hieven. Mit dem allein in den USA 15-fach ausgezeichneten Platin-Album Supernatural gelang dem damals 52-jährigen Santana der größte Erfolg seiner langen Karriere. Unterstützt durch junge und erfolgreiche Künstler wie Lauryn Hill, Dave Matthews, Rob Thomas oder dem rastlosen Wyclef Jean schuf der sympathische Mexikaner ein Album, dessen Konzept als neu und innovativ galt. Nicht er, der Altmeister, schrieb die Songs allein, sondern die „Jungen Wilden“. Einzig seine unverwechselbare Gitarrenarbeit versüßte die Songs. Doch gerade die Kooperation mit Everlast oder Rob Thomas bei dem Hit Smooth funktionierte ausgesprochen gut. Songs wie Maria Maria, Corazón Espinado, eine Guajira, also ein spanischer Tanz von dem Carlos sagt, er mache die Frauen verrückt, Put Your Lights On oder eben Smooth sind dermaßen stark, dass das Album zum Selbstläufer werden musste. Doch wie viele andere Künstler, musste auch ein gestandener Musiker wie Carlos Santana dem Dämon gegenübertreten.
Ein weiteres Album, mindestens ebenso erfolgreich, musste her. Shaman, so der Nachfolger von 2002, konnte gegenüber seinem Vorgänger nur verblassen. Trotz des gleichen Konzepts, trotz hochkarätiger Stars wie Michelle Branch, Chad Kroeger von Nickelback, P.O.D. oder Seal, trotz Doppel-Platin und über 5 Millionen verkauften Tonträgern weltweit: Gegen Supernatural, mit mehr als 25 Millionen verkauften Tonträgern weltweit, war Shaman ein bescheidener Erfolg, nur gleichauf mit Santana und Santana III und noch hinter Abraxas (fünffach Platin). Denn was 1999 noch innovativ war, galt schon gut drei Jahre später als Wiederholungstat, wenn auch die Songs, allen voran das wunderschöne Hoy Es Adios, solide sind. Carlos Santana musste sich gar den Vorwurf des Selbstplagiats gefallen lassen. Die Idee, junge, bekannte und erfolgreiche Künstler zu engagieren, sollte sich als Fluch und Segen zugleich erweisen, denn seit Supernatural sinken nicht nur die Verkaufszahlen neuer Alben, das 2005-Werk All That I Am erreichte immerhin Gold-Status, sondern die Ideen, sein kreatives Gitarrenspiel, die Qualität der Songs fallen ab. Vielleicht nahm er 2010 deshalb ein Album auf, bestehend nur aus Coverversionen bekannter Rock-Klassiker. Das Album schaffte es bis jetzt nicht zu Gold.
Bleibt dem knapp 65-jährigen Carlos Augusto Alves Santana zu wünschen, dass er auch zukünftig ein Superstar bleibt. Denn eine Legende, das ist er schon. Oder einfach: Supernatural.
Dienstag, 31. Januar 2012
SOPA: Sperre statt Service
Was tun, wenn man mit Service und Angebot nicht überzeugen kann? Genau: Restriktionen müssen her. Das dachten sich wohl die Plattenfirmen in den USA, als diese den umstrittenen Gesetzesentwurf "Stop Online Piracy Act" befürworteten. Dieser sieht vor, dass Rechtehinhaber künftig gerichtliche Verfügungen gegen Betreiber von Internetseiten erwirken können, wenn diese gegen das US-Urheberrecht verstoßen. Das scheint effektiv, doch geht das Problem Online-Piraterie wieder falsch an. Wirksam bekämpfen lässt sich Piraterie mit einem überzeugenden Angebot, das günstig, umfangreich, leicht zu bedienen und somit attraktiv ist für die Nutzer.
Mittwoch, 18. Januar 2012
Grooveshark in Deutschland beerdigt
Mich traf der Schlag, als ich heute wieder die Seite von Grooveshark, dem kostenlosen Musik-Streaming-Portal, aufrufen wollte. Dicht! Geschlossen wegen zu hoher Betriebskosten in Deutschland. Ein zweiter Schlag traf mich, als ich den Grund gelesen habe: Schuld sei laut den Betreibern die GEMA. Wieso wundert mich das nicht? Hatte nicht auch YouTube Probleme mit der GEMA? Auch wenn die GEMA inzwischen die Vorwürfe zurückweist und die Schuld bei Grooveshark sieht, der Zwist zwischen der Internetgemeinde und den Rechteinhabern oder Verwerten bekommt neue Nahrung.
Es ist bekannt, dass die GEMA sich gern als Beschützer der Komponisten ausgibt, nur sehen das viele GEMA-Mitglieder anders. Oft zahlen Künstler mehr ein, als sie einNEHMEN. Sie zahlen also eher aus, werden aber gering ausbezahlt, wenn man so will. Doch so locker das Wortspiel scheint, ist die Situation nicht, denn die GEMA verpulvert die Mitgliedsbeiträge für den aufgeblähten Verwaltungsapparat. Zudem gönnt sie sich zwei Geschäftsstellen, aber nicht in Chemnitz, sondern in München und Berlin-Charlottenburg. Wer hat, der kann.
Kostenlose Musikportale wie Grooveshark, die Musik lediglich abspielen, sich über Werbung finanzieren und dafür hoffentlich Beiträge an die GEMA zahlen, sind eine gute Sache. Sie zeigen, dass es legal funktionieren kann, wenn alle an einem Strang ziehen. Dass sie mit der GEMA den falschen Partner gewählt haben, zeigt sich wieder einmal. Doch hatten sie keine Wahl, sich einen anderen Vertragspartner als die GEMA auszusuchen. Denn diese vertritt in Deutschland die Rechte der Urheber. Leider nicht ausreichend, denn im Interesse der Urheber kann es nicht sein, dass Grooveshark nun vom Netz geht, sodass sich die Nutzer die Musik wieder illegal beschaffen.
Auch bei der GEMA herrscht Profitgier und auch sie macht die gleichen Fehler der Musikindustrie, die dazu führten, dass einst illegale Portale wie Napster und kazaa florierten. Die GEMA hat zwar in ihrer kürzlich veröffentlichten Stellungnahme gesagt, die Betreiber von Grooveshark hätten nie das Gespräch gesucht und weigern sich, überhaupt etwas zu zahlen. Das ist schade, wenn es stimmt, lenkt aber davon ab, dass es zu häufig Diskrepanzen zwischen der GEMA und Musikportalen jeglicher Couleur gibt. Der Konsens wird nicht gesucht, dafür das Thema Piraterie durch die Verwerter einseitig bekämpft.
Es ist bekannt, dass die GEMA sich gern als Beschützer der Komponisten ausgibt, nur sehen das viele GEMA-Mitglieder anders. Oft zahlen Künstler mehr ein, als sie einNEHMEN. Sie zahlen also eher aus, werden aber gering ausbezahlt, wenn man so will. Doch so locker das Wortspiel scheint, ist die Situation nicht, denn die GEMA verpulvert die Mitgliedsbeiträge für den aufgeblähten Verwaltungsapparat. Zudem gönnt sie sich zwei Geschäftsstellen, aber nicht in Chemnitz, sondern in München und Berlin-Charlottenburg. Wer hat, der kann.
Kostenlose Musikportale wie Grooveshark, die Musik lediglich abspielen, sich über Werbung finanzieren und dafür hoffentlich Beiträge an die GEMA zahlen, sind eine gute Sache. Sie zeigen, dass es legal funktionieren kann, wenn alle an einem Strang ziehen. Dass sie mit der GEMA den falschen Partner gewählt haben, zeigt sich wieder einmal. Doch hatten sie keine Wahl, sich einen anderen Vertragspartner als die GEMA auszusuchen. Denn diese vertritt in Deutschland die Rechte der Urheber. Leider nicht ausreichend, denn im Interesse der Urheber kann es nicht sein, dass Grooveshark nun vom Netz geht, sodass sich die Nutzer die Musik wieder illegal beschaffen.
Auch bei der GEMA herrscht Profitgier und auch sie macht die gleichen Fehler der Musikindustrie, die dazu führten, dass einst illegale Portale wie Napster und kazaa florierten. Die GEMA hat zwar in ihrer kürzlich veröffentlichten Stellungnahme gesagt, die Betreiber von Grooveshark hätten nie das Gespräch gesucht und weigern sich, überhaupt etwas zu zahlen. Das ist schade, wenn es stimmt, lenkt aber davon ab, dass es zu häufig Diskrepanzen zwischen der GEMA und Musikportalen jeglicher Couleur gibt. Der Konsens wird nicht gesucht, dafür das Thema Piraterie durch die Verwerter einseitig bekämpft.
Mittwoch, 7. Dezember 2011
Musik studieren?
Musikstudium? Warum nicht. Den Tag mit musizieren, das Hobby zum Beruf machen, was kann es schöneres geben? Und doch entscheiden sich viele Musiker gegen ein solches Studium, studieren sogar etwas anderes. Rolf Zuckowski ist so jemand. Der bekannte Komponist von Kinderliedern ist Diplom-Betriebswirt. Oder Jazz-Gitarrist Larry Coryell, einer der wichtigsten Gitarristen seiner Zeit, studierte Journalismus. Noch ein Beispiel? Tom Morello, der Sound-Magier und Gitarrist von Rage Against The Machine, studierte Politikwissenschaften. Die Gründe sind nicht bekannt, doch mögen sie vielfältig sein.
Zunächst gibt es an den Hochschulen eine Aufnahmeprüfung. In Deutschland geht diese soweit, dass man neben einem Zweitinstrument die komplette Harmonielehre nach Hermann Grabner (übrigens ein promovierter Jurist!) beherrschen muss. Hinzu kommen das obligatorische Hördiktat, das Singen von Tonleitern und Intervallen sowie das Vortragen diverser Instrumentalliteratur. Wer das Fach „Komposition“ an der Universität der Künste in Berlin studieren möchte, muss der Prüfungskommission gar eigene Kompositionen vorlegen, bevor das Erlernen des Komponierens erst begonnen werden kann. Örtliche Musikschulen bieten nicht grundlos Kurse für angehende Studenten an Musikhochschulen. Nicht selten dauern solche Kurse bis zu zwei Jahren. Der legendäre Jazz-Gitarrist Tal Farlow war nach einem Jahr Gitarre spielen bereits Profimusiker. Begonnen hatte er mit 21 Jahren.
Dass ein Hochschulstudium nicht erforderlich ist, um dennoch als ernsthafter Musiker zu gelten, zeigen weitere prominente Beispiele: Zum die deutsche Jazzikone Michael Sagmeister. Der vielleicht wichtigste deutsche Jazz-Gitarrist erhielt sogar einen Lehrauftrag am renommierten Music College in Berklee (USA), als Autodidakt wohlgemerkt. Warum? Weil er über eine hervorragende Technik verfügt, die es ihm ermöglicht, selbst John Coltrane’s Fingerbrecher „Giant Steps“ auf der Gitarre zu spielen. Weil er über ein unglaubliches musiktheoretisches Wissen verfügt, das er sich ohne Studium beigebracht hat. Ein weiteres Beispiel, das zeigt, dass man sich ohne Studium, ja selbst ohne Unterricht, musiktheoretisches Wissen und instrumentale Fähigkeiten aneignen kann, ist der deutsche Jazz-Schlagzeuger Michael Griener. Nicht nur, dass er mit Jazz-Größen wie Tal Farlow und Herb Ellis zusammengearbeitet hat, wurde er auch Professor für Jazz-Schlagzeug an der Musikhochschule Dresden.
Weshalb noch Musik studieren? Eine berechtigte Frage, wenn man überlegt, was einem während des Studiums nicht vermittelt werden kann. Doch zunächst das Positive. Für den Studenten bedeutet ein solches Studium vor allem eines: Die Beschäftigung mit dem eigenen Instrument und zwar täglich mehrere Stunden. Ohne schlechtes Gewissen, andere Dinge vernachlässigt werden, wie zum Beispiel Hausaufgaben als Schüler oder Auszubildender bzw. die Klausurvorbereitung als BWL-Student. Noch ein Vorteil: Das Zusammenspiel mit Gleichgesinnten sowie der damit einhergehende Austausch unter Musikern. Nicht zuletzt verfügen die Hochschulen über einen großen Fundus an Musikliteratur.
Was die Hochschule allerdings nicht vermitteln kann: Das Gefühl für Musik. Das ganze Wissen über Akkorde und Tonleitern, Formen und Intervalle, die Spieltechnik, all das macht noch keinen Musiker. In der E-Musik (Klassik) mag eine Ausnahme vorliegen. Hier kommt es in erster Linie auf die Interpretation an. Diese setzt bei den meisten vorgetragenen Kompositionen eine perfekte Technik voraus. In der U-Musik jedoch spielen andere Faktoren eine größere Rolle. Ton, Phrasierung, Gefühl, sogar der richtige Geschmack. Das kann von keinem Lehrer der Welt vermittelt werden, denn diese Dinge sind Ausdruck der Persönlichkeit sowie der inneren Einstellung. Doch genau diese Merkmale entscheiden darüber, ob ein Musiker individuell und damit herausragend ist oder zur breiten Masse gehört. Nicht zuletzt entscheidend ist das Talent. Dieses muss zwar erst entdeckt und dann vor allem gefördert werden, doch die Fähigkeit ist gewissermaßen schon vorhanden. Ebenso fließen anatomische Merkmale mit ein. So ist es nicht jedem Instrumentalisten vorbehalten, rasend schnelle 32tel-Noten zu spielen, so wie eben nicht jeder Fußballer wie David Beckham flanken kann, weil dieses Gespür dafür nur ihm gegeben ist.
Ein Hochschulstudium hat dennoch einen Vorteil: Zum einen darf man sich nach erfolgreichem Studium Diplom-Musiker nennen. Zum anderen wird der Eintritt in die Gilde der Lehrenden erleichtert. Denn gerade in Deutschland zählt nur der Abschluss. Toningenieure müssen Physik oder Nachrichtentechnik studiert haben. Undenkbar, dass auch ein Volkswirt ein Fachbuch zum Thema Studiotechnik verfassen kann oder ein Chemiker ein Buch über Harmonielehre. Auch ein Michael Sagmeister erfüllt zumindest nicht die formellen Voraussetzungen als Hochschullehrer.
(K)ein neuer Stern
David Pfeffer hat das Finale von X-Faktor gewonnen. Und keinen interessiert es...
Donnerstag, 24. November 2011
Aus der Mottenkiste
Wir kennen das: Ein Künstler verstirbt und die Musikindustrie veröffentlicht posthum ein neues Album. Tatsächlich veröffentlicht sie ein Album, ein neues gewiss nicht. Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft kramt die findige Plattenfirma Island Records neue Songs aus der Mottenkiste und versüßt den Amy-Fans das Weihnachtsfest, sich selbst das Weihnachtsgeschäft. Dafür, dass die gute Frau Winehouse vor ihrem Tod kaum geradeaus laufen konnte, erstaunlich, dass zwölf neue Songs entstanden sein sollen. Wer genau hinhört, merkt, so neu sind die gar nicht.
Freitag, 23. September 2011
Die Piraten entern das Berliner Abgeordnetenhaus!
Eigentlich ein Grund der Freude, denn eine bürgerliche Bewegung von "unten" braucht dieses Land. Wenn die Partei es versteht das umzusetzen, was ihre Wähler wirklich wollen, wären wir der Demokratie wieder näher.
Schade nur, dass die Piratenpartei glaubt, im Internet gebe es keine Gesetze. Das Internet ist jedoch kein rechtsfreier Raum. Bücher und vor allem Musik, die über das Internet bezogen wird, ist nicht deswegen kostenlos - und kann es auch nie sein!, weil es sich um Dateien handelt und nicht um physische Datenträger.
Musikwerke sind geistige Schöpfungen ihrer Urheber und die Vergütung ist nicht nur der Lohn für ihre Mühen, sondern vielmehr weiterhin die Motivation, neue Musik zu schaffen. Kein ersthaft komponierender Profi-Musiker stellt seinen kompletten Musikkatalog kostenlos ins Internet. So wie die Abgeordneten der Piratenpartei als Abgeordnete Geld für ihre Arbeit wünschen, so wie Mitglieder der Partei, die als Anwalt tätig sind, bezahlt werden möchten, so möchte auch der Musiker mit seiner Kunst Geld verdienen. Er muss es sogar.
Es wäre ebenso unmöglich und mit unserer sozialen Grundordnung unvereinbar, wenn ein Kunde im Internet einen LCD-Fernseher bestellt, aber diesen nicht bezahlt, da im Internet alles kostenlos sein müsse.
Bevor die Piratenpartei die GEMA abschafft, sollte sie sich, spätestens wenn sie in weiteren Landtagen oder gar im Bundestag sitzt, der Rundfunkgebühr widmen und diese abschaffen. Nicht zuletzt deshalb, weil sie mittlerweile auch für Computer erhoben wird.
Schade nur, dass die Piratenpartei glaubt, im Internet gebe es keine Gesetze. Das Internet ist jedoch kein rechtsfreier Raum. Bücher und vor allem Musik, die über das Internet bezogen wird, ist nicht deswegen kostenlos - und kann es auch nie sein!, weil es sich um Dateien handelt und nicht um physische Datenträger.
Musikwerke sind geistige Schöpfungen ihrer Urheber und die Vergütung ist nicht nur der Lohn für ihre Mühen, sondern vielmehr weiterhin die Motivation, neue Musik zu schaffen. Kein ersthaft komponierender Profi-Musiker stellt seinen kompletten Musikkatalog kostenlos ins Internet. So wie die Abgeordneten der Piratenpartei als Abgeordnete Geld für ihre Arbeit wünschen, so wie Mitglieder der Partei, die als Anwalt tätig sind, bezahlt werden möchten, so möchte auch der Musiker mit seiner Kunst Geld verdienen. Er muss es sogar.
Es wäre ebenso unmöglich und mit unserer sozialen Grundordnung unvereinbar, wenn ein Kunde im Internet einen LCD-Fernseher bestellt, aber diesen nicht bezahlt, da im Internet alles kostenlos sein müsse.
Bevor die Piratenpartei die GEMA abschafft, sollte sie sich, spätestens wenn sie in weiteren Landtagen oder gar im Bundestag sitzt, der Rundfunkgebühr widmen und diese abschaffen. Nicht zuletzt deshalb, weil sie mittlerweile auch für Computer erhoben wird.
Abonnieren
Posts (Atom)
